Roussopoulos
14th February 2008, 23:02
Hallo Forum,

ich bin seit ca 2 Monaten bei meinem neuen Arbeitgeber der mit Baan arbeitet.
Leider komm ich mit diesem Programm nicht immer ganz klar.
Die Informationen die ich benötige sind immer in verschiedenen Masken und ich habe nicht immer die Zeit von Maske zu Maske zu springen und mir immer alle Informationen mühsam zu besorgen.

Nun wollte ich mal hier nachfragen ob es eine Möglichkeit gibt mittels MS Access Baan Daten abzufragen.

Hintergrung ist der, dass ich mich in Access gut auskenne und die Abfragen die ich benötige selbst erstellen kann. Nur leider fehlt mir das VisualBasic wissen um evtl so den Zugriff zu Baan Daten zu Programmieren.

Vielleicht kann mir ja hier jemand helfen.

Wäre für jede Hilfe dankbar.

Grüße aus Bayern

Markus Schmitz
15th February 2008, 09:14
Hi Roussopoulos,

tatsaechlich ist deine Anfrage der Beginn eines Albtraums eines jeden IT Admins. Es started mit dem Wunsch besserer Auswertungsmoeglichkeiten in Baan und endet mit jede Menge Kleinst-Anwendungen die unkontrolliert auf Baan zugreifen.

Ein paar Kommentare hierzu:

a) Wenn ueberhaupt dann sollte nur ein rein lesender Zugriff in Erwaegung gezogen werden. Direkt in die DB zu schreiben ist gegen jede Empfehlung, da es die Applikations Logik untergraebt.

b) Fuer einen Endanwender ist es recht schwer direkt Auswertungen auf der DB zu designen, da sowohl die tabellen als auch die Feldnahmen einem zwar klar geliederten aber doch recht cryptischen namenskjonzept folgen. So heist die Tabelle fuer die VK-Auftraege "tdsls040" und das Feld fuer die Waehrung heist "t$ccur". Nicht unbedingt selbstredend.

c) Alternativ schlage ich vor, dass die interne IT dir Zugriff auf SQL Querries in Baan und eine entsprechende Schulung gibt. Dann geht das ganze auch direkt aus Baan.

d) Wenn der Zugriff direkt auf die DB erfolgen soll mit einem Tool wie Crystal oder Access, dann empfehle ich der IT die Anlage spezieller Views mit sprechenden Namen. Damit kann die ID auch ein wenig die Rechte-Problematik in den griff kriegen.

gruss

markus

Roussopoulos
16th February 2008, 10:15
Hallo Markus,

danke für die schnelle Antwort.

Hintergrund ist der dass ich eine Abfrage benötigt die mir alle Produktionsvorschläge ausbibt und gleichzeitig prüft ob alle Teile der Stückliste vorhanden sind.

Dann brauch ich noch eine zweite Abfrage. Diese überprüft wieder ob die Produktionsvorschläge gefertigt werden können. Also ob alle Teile der Stückliste vorhanden sind. Sollte das nicht der Fall sein will ich eine Liste mit allen fehlenden Teilen haben. So dass ich dann beim jew. Disponenten bestellen kann.

Meinst du dass sowas mit querys in Baan zu lösen ist?

günther
18th February 2008, 09:18
Hi Roussopoulos.

Das Stichwort Stückliste ist gleich der nächste Albtraum. Hier ist es nicht einfach eine Datenbank-Tabelle, die man linear auslesen könnte, sondern eine ganze Reihe von Vater-Kind-Beziehungen, die mit vielen Zugriffen auszulesen sind. Hinzu kommt, dass es noch die Kundenspezifische Stückliste, die Produktionsstückliste und noch andere gibt. (Wir haben für das Auslesen von Stücklisten eigene Funktionen, die es aber ganz schön in sich haben.) Dafür würde ich schon einen Programmierer (in Baan!) ranlassen ...

Mein Fazit: Es gibt Dinge, die kann man relativ einfach umsetzen, indem man Baan-Tabellen (komplett ...) ausliest und in Access wieterbearbeitet. Und es gibt andere Dinge (FiBu-Tabellen, Stücklisten, Berichte mit Verarbeitung, ...), bei denen das eben nicht gilt.

Mal anders gefragt: Brauchst Du denn wirklich im PRP-Bereich die Überprüfungen? Wäre es auch denkbar, den PRP-Produktionsvorschlag "blind" in einen SFC-Produktionsauftrag zu überführen und anschließend mit tisfc0418m000 "Unterdeckung pro Produktionsauftrag" zu arbeiten? Oder kannst Du evtl. die PRP-Bestellvorschläge verwenden?

Gruß
Günther

Martin Jung
18th February 2008, 10:34
Nix für ungut Roussopoulos,
aber Dein Vorhaben führt ein ERP-System wie Baan quasi ad absurdum. Denn genau für diese Fragen wurde die Software entwickelt!

..Hintergrund ist der dass ich eine Abfrage benötigt die mir alle Produktionsvorschläge ausbibt und gleichzeitig prüft ob alle Teile der Stückliste vorhanden sind..
Das macht der MRP - und noch einiges mehr: er sagt auch was zu tun ist um die Produktion zu "retten".

..Dann brauch ich noch eine zweite Abfrage. Diese überprüft wieder ob die Produktionsvorschläge gefertigt werden können. Also ob alle Teile der Stückliste vorhanden sind. Sollte das nicht der Fall sein will ich eine Liste mit allen fehlenden Teilen haben. So dass ich dann beim jew. Disponenten bestellen kann..
Auch das erledigt der MRP. Bestellvorschläge nennt man das.

All das gibt es quasi gratis! Sei mir nicht böse, aber wie wär's mit einer vernünftigen Schulung zum Thema "was macht ein ERP System"? Ich nenne Dir gerne ein paar kompetente Partner für so etwas. Oder wir sprechen telefonisch mal über die wichtigsten Basics.

Gruss

Martin

sibon1
18th February 2008, 16:03
Hallo,

wir haben in der Endmontage eine Lieferzeit von einem Tag. Früher in Baan4 haben wir täglich ca. 300 Produktionsaufträge angelegt. Falls nicht genügend Material oder Kapazität vorhanden war, dann wurden die Produktionsaufträge wieder storniert.

Inzwischen haben wir auf ERP Ln umgestellt und heute machen wir es so, dass die Produktionsvorschläge einzeln auf Material und Kapazität geprüft werden und wenn alles OK ist, wird der Auftrag erst angelegt. Falls nicht OK, wird die Lieferzeit des Kundenauftrages um einen Arbeitstag verschoben und am nächsten Tag gehts wieder von vorne los. Das Ganze läuft vollautomatisch ohne Benutzereingriff. Wir haben das mit einer Zusatzprogrammierung gelöst.

Ich habe den Verdacht, dass wir eine ähnliche Fertigungsproblematik haben und bei Bedarf können wir uns gerne mal per PM unterhalten.

Martin Jung
18th February 2008, 17:16
..und heute machen wir es so, dass die Produktionsvorschläge einzeln auf Material und Kapazität geprüft werden und wenn alles OK ist, wird der Auftrag erst angelegt. Falls nicht OK, wird die Lieferzeit des Kundenauftrages um einen Arbeitstag verschoben und am nächsten Tag gehts wieder von vorne los..

Ich lerne ja gerne dazu ;) , aber wie ist denn die Materialbeschaffung organisiert wenn sich Termine dauernd verändern? Und wie wird die Materialverfügbarkeit geprüft - Auftrag für Auftrag oder das ganze Auftragsnetzwerk?

Gruss

Martin

norwim
18th February 2008, 23:11
Hi Roussopoulos,

wenngleich ich persoenlich MS Access nicht mag, kann ich gut nachvollziehen, dass Du gerne mit Dir vertrauten Abfragetools auf die Baandaten zugreifen moechtest.
Es ist technisch kein Problem, naechtens die Baan Tabellen in sequentielle Dateien auszugeben und dann in eine Accessdatenbank einzulesen (ich gehe mal davon aus, dass Eure Datenbank MS-SQL ist und nicht ACCESS, wie in Deinem Profil angegeben).
Keinesfalls kommst Du aber in diesem Zusammenhang darum herum, Dich mit dem Data Dictionary bzw. dem Tabellenlayout von Baan auseinanderzusetzen, ob Du nun mit Abfragetools auf die Datenbank selber oder auf ein Abbild in Access losgehen willst.
Ausserdem musst Du Dir, wie schon Markus, Martin und Guenther richtig erklaert haben, die Arbeit der rekursiven Stuecklistenaufloesung antun und quasi die MRP Funktionalitaet von Baan in Teilen neu erfinden - ich bin mir sehr sicher, dass eine simplere Loesung, wie zum Beispiel die nachtraegliche Ueberarbeitung und Verdichtung der "gedruckten" Produktionsvorschlaege, voellig hinreichend waere.

Du kannst mir gerne per PM konkrete Fragen stellen, allerdings wuerde ich Dir raten, Deinem Chef ein Basis-Baan-Schulung aus den Rippen zu leiern - Du wuerdest Dir damit eine Menge Arbeit und Frust ersparen.

viel Erfolg

Norbert

Roussopoulos
19th February 2008, 07:57
Hallo zusammen,

danke für euren ausführlichen Antworten. Mit dem ERP System arbeite ich auch und genau da liegt das Problem.
Das System spukt sowohl Bestell als auch Produktionsvorschläge nur sagt es mir nicht ob eine Materialunterdeckung vorhanden ist.
Ein weiteres großes Problem ist folgendes szenario.

Ich brauche ein Produkt in dem 3 Stück vom Artikel X verbaut sind.
Als erstes findet immer eine Auftragsprüfung statt. nehmen wir mal an es sind 5 Stück vom Artikel X auf Lager. Das System sagt mir. "Auftrag kann gefertigt werden". Der Auftrag wird darauf hin erstellt und die Menge wird reserviert.

Eine halbe Stunde Später will ich nochmals einen Auftrag eingeben indem wiederum 3 Stück vom Artikel X verbaut werden müssen. Abermals sagt mir das System dass der Auftrag gemacht werden kann. Tatsächlich ist das aber nicht der Fall da nur 2 Stück auf Lager sind. der Rest ist für den vorherigen Auftrag reserviert.

Leider konnte bisher in der Fa. keiner meine Frage beantworten ob es möglichkeiten gibt diesen "Fehler" abzustellen. Habt ihr evtl eine Ahnung ob das möglich ist?

Martin Jung
19th February 2008, 08:36
Hallo Roussopoulos,

Baan und potentiell auch andere ERP Systeme verfolgen ein Grundprinzip: "Distribution is Leading" oder zu deutsch "Der Kunde ist König". Mit anderen Worten es findet keine Verfügbarkeitsprüfung von Kapazitäten oder Material zum Zeitpunkt der Auftragserfassung statt. Vor allem die Prüfung der Materialverfügbarkeit ist schwierig. Wie sollen konkurrierende VK-Aufträge und die daraus resultierenden Produktionsaufträge priorisiert werden? Wer zuerst kommt, malt zuerst..? Der MRP spuckt das aus, was zu tun wäre um die Kundentermine (Liefertermin des VK-Auftrags) möglich zu machen. Daher gibt es im Extremfall auch Produktions- oder Bestellvorschläge in der Vergangenheit.

In Eurem Fall scheint es so zu sein das "Manufacturing leading" ist. Daher ein paar grundsätzliche Fragen:

- Nach welcher Logik wird ein VK-Auftrag denn terminiert?
- Was zum Teufel stellt Ihr denn her, das dies so ein massives Problem darstellt?
- Fertigt Ihr Standardartikel?
- Könnt Ihr die notwendigen Materialien nicht ausreichend bevorraten, so das zumindest dies kein Problem mehr darstellt?

Eine Menge Fragen, ohne deren Beantwortung eine Lösung schwierig zu beurteilen ist.

Wir haben ebenfalls sehr kurze Lieferzeiten und bei uns ist "Transportation leading", allerdings betreiben wir sehr hohen (logistischen) Aufwand um die Materialverfügbarkeit sicher zu stellen.

Gruss

Martin

DFisch
19th February 2008, 17:55
Hallo Roussopoulos,
jetzt will ich zu dem Thema auch noch meinen Senf dazugeben, der Tenor wird aber dem meiner Vorredner entsprechen.
Auf einer Baan-User-Group-Tagung vor ein paar Jahren habe ich zu diesem Thema Verfügbarkeitsprüfung von Material in mehrstufigen Auftragsnetzen mal einen Vortrag gehalten und diesen hier nochmal angehängt.
Das Prinzip ist immer das Gleiche: im Wesentlichen interessieren die Sichten "von oben": kann mein Auftrag geliefert/gefertigt werden. Wenn ja ist das schön, aber dann muss ich auch wissen: können dann die anderen, evtl. noch wichtigeren Aufträge auch geliefert werden. "Wichtig" ist dabei Definitionsfrage: wenn das ERP-System rechnet, dann ist wichtig der Liefertermin, ggf. über die mehrstufige Kette zurückgerechnet. Das heist dann in BaanIV und in der klassischen Lehre MRP.
Die zweite Frage ist die von unten, z.B. eine Bestellung kommt nicht rechtzeitig rein: welche Produktions- und Kundenaufträge sind betroffen? Es ist tatsächlich so, dass die Beantwortung dieser beiden Fragen durch die Losgrößenbildung und damit verbundene Anonymisierung der Zwischenfertigungsebenen schwierig wird. Ob der Primärbedarf im zweiten Fall ein Kundenauftrag oder eben "nur" eine MPS-Prognose ist, ist nicht direkt am Bestellvorschlag erkennbar.
Baan, bzw. Infor hat dies erkannt und seit LN gibt es hierfür im Planungsmodul das sog. "Order Pegging". Seit FP3 ist dieses auch wirklich gut nutzbar und (je nach Stücklistenkomplexität) übersichtlich.
Da Ihr BaanIV habt: wir haben das mal irgendwann programmiert (siehe Anhang), wenn Interesse besteht, frage ich bei dem Infor-Partner nach, ob es das als Add-On gegen Einwurf kleiner Münzen zu erwerben gibt.
Gruß Dirk

ulrich.fuchs
20th February 2008, 09:32
Soweit ich das sehe, geht's um die Auftragsfreigabe, richtig? Das heißt, es sollen nur Produktionsaufträge freigegeben werden, für die Material verfügbar ist. Sieht man vom Problem der Mehrstufigkeit von Stücklisten bzw. Produktionsauftragsstrukturen mal ab, hat jeder Baan-Anwender für diese Situation irgendwelche mehr oder minder angepassten oder selber Programmierten Listen, bei denen die Materialvorkalkulation der Produktionsaufträge gegen die Materialvorkalkulation gefahren wird. Bei ums Material konkurrierenden Aufträgen hat man dann ein Problem, wenn das naiv implementiert ist (Bestand > Bedarf für aktuellen Auftrag: Alles ok!). Dann gehen u.U. zwei Aufträge als ok durch, obwohl nur für einen Material vorhanden ist. Einzige Abhilfe: Den geplanten Bestand ausrechnen (das ist in Baan IV aufwendig, weil die geplanten Bestandsänderungen in drei unterschiedlichen Tabellen stehen). Also: Für den Auftrag verfügbarer Bestand = aktueller Bestand minus alle Abgänge, die zeitlich vor der geplanten Bestandsändung für den Auftrag liegen. (Geplante Zugänge würde ich dann übrigens nicht mit reinrechnen, weil das dem entgegenläuft, was man mit so einer Liste will). Dann ist man sicher, dass das Material tatsächlich noch für *diesen* Auftrag verfügbar ist. Eine solche Liste ist im Standard m.W. nicht vorhanden, sollte aber von Eurer EDV-Abteilung realisierbar (bzw. per Fremdleistung einkaufbar) sein.

Stimmen müssen dann halt halbwegs die geplanten Fertigungstermine in der Produktionsplanung.

Und natürlich sei auch noch von mir darauf hingewiesen, dass die Nutzung von Unterdeckungslisten (bzw. "Materialistkomplettvorhandenlisten") dieser Art eigentlich auf Schwächen in der Bestellplanung hinweist. Man sollte die Auftragsfreigabe nicht nach dem verfügbaren Material steuern, sondern das Material so steuern, dass es da ist, wenn es gebraucht wird. Ich weiß aber auch, dass das schwierig ist, wenn's allenthalben wirtschaftlich so brummt und man kein Material kriegt...

Hoffe das hilft etwas,
Uli