ulrich.fuchs
8th December 2003, 12:51
Eines der leidigsten Themen in Baan IV betrifft die gemischte kundenspezifische/Standardfertigung. Meist gibt's diese Situation beim Einsatz des PCF: Unten eine Reihe von Stücklistenebenen, die Standardartikel sind, darüber ein oder zwei Ebenen kundenspezifisch.

Der Knackpunkt an dieser Sitation ist, dass sämtliche Standardartikel beim Übergang in das Projekt (z.B. bei Materialentnahme für die Produktion) in dieses Projekt mit der Herstellkostenkomponente aus dem Artikelstamm eingebucht werden.

Das führt u.a. dazu, dass im Projekt im Grunde keine sinnvolle Aufteilung zwischen Bearbeitungs- und Materialkosten mehr möglich ist. Das gibt dann unter anderem beim Umsatzkostenverfahren in der Integration Schwierigkeiten, weil für diese Anteile keine getrennten Konten angesprochen werden können. Auch die Vorkalkulation der Projekte ist im Grunde hinfällig, da auch hier nicht die wirklichen Bearbeitungskosten, die in einem Projekt stecken, ausgewiesen werden - der Großteil ist in den Materialkosten versteckt.

Gleiches gilt beim Einsatz des Controlling-Moduls: Auch hier führt diese strikte Kundenauftragsentkopplungspunkt-Denke von Baan dazu, dass Grenz- und Vollkosten in der Kalkulation von Projekten oder Voranschlägen nicht aussagefähig sind, weil die ganzen Standardartikel entweder mit Genzkosten oder mit Vollkosten (parameterabhängig) berücksichtigt werden.

Das Problem erscheint zunächst so inhärent in Baan eingeschrieben, dass die meisten Kunden sich bisher auf eine "damit muss man halt Leben"-Situation eingelassen haben.

Ich bin jetzt aber in der Lage, mit einigen kleineren Anpassungen hier Abhilfe zu schaffen, und habe das bei einem meiner Kunden mittlerweile erfolgreich umgesetzt. Es gibt mehrere Ansatzpunkte, das Problem anzugehen, je nach Fall ist der eine oder der andere effektiver. Der Umsetzungsaufwand liegt in etwa bei einer Mann-Woche, der Schwerpunkt eher bei der Beratung als bei der aktuellen Implementierung - die ist innerhalb von ein bis zwei Tagen durch. Orientieren tut sich das Ganze an der Baan-5 Konzeption der "aggregierten Herstellkostenkomponenten", so dass die Anpassung nicht völlig aus dem Rahmen der Baan-Softwareprinzipien fällt.

Sollten andere Baan-IV-Anwender Interesse haben, in diesem Punkt ebenfalls zu Lösungen zu kommen, bin ich unter den unten angegebenen Kontaktdaten natürlich jederzeit gerne erreichbar und würde mich freuen, hier entsprechende Unterstützung leisten zu können.

Uli