Kai's Forum Users
12th July 2001, 01:00
Unter Kanban verstehen in meiner Fa. die MA folgendes:

Eine externe Fa. (Lieferant) bevorratet diverse Artikel in unserem Lager in Eigenverantwortung, d.h. in regelmäßigem Zyklus werden bestimmte Lagerplätze aufgefüllt, sodaß immer ausreichend Vorrat vorhanden ist. Monatlich kommt dann eine Rechnung ins Haus mit einer Liste der gelieferten Artikel. Wie kann da überhaupt kontrolliert werden, ob die Monatsmengen stimmen. Nun will man sich aber das Zu- und Abbuchen (obwohl retrograde Abbuchung eingestellt ist) sparen, was bedeutet, diese Artikel dürften gar nicht in Stülis erscheinen. Jedoch möchte man diese Artikel aber in den Baugruppen mit bewertet haben. (Eierlegende Woll.....) Läßt sich das vielleicht über Material-Zuschlags-komponenten lösen und wie?

Kai's Forum Users
16th July 2001, 01:00
Hallo Hartmut,Ganz so kompliziert sollte die ganze Angelegenheit eigentlich nicht sein.

Wenn die Artikel bewertet und retrograd abgebucht werden sollen, müssen sie auf jeden Fall in der Stückliste der Baugruppen stehen. Eine retrograde Abbuchung bezieht sich immer genau auf die Menge, die in der Vorkalkulation des Fertigungsauftrages steht und bucht diese so ab, als ob genau diese (theoretisch benötigte) Menge verbraucht worden ist. Und die vorkalkulierte Materialmenge ist die Stücklistenmenge mal Auftragslosgröße (ggf. dividiert durch die Stücklisteneinheit) zzgl. Ausschußfaktor.
Danach kannst Du monatlich hingehen und den Artikelverbrauch je Periode drucken (in der Lagerwirtschaft) und nachher mit der Rechnung des Lieferanten vergleichen. Diese sollten in etwa übereinstimmen. Der monatliche Artikelverbrauch enthält auch manuelle Entnahmen, die ja sicherlich auch vom Lieferanten aufgefüllt werden.
Es werden dort sicherlich Differenzen auftreten, beim retrograden Buchen machen es die meisten meiner Kunden so, daß sie einmal monatlich (oder zum Beispiel bei Nulldurchgang, oder bei Neulieferung,...) eine kleine Inventur dieser Artikel machen und die Differenzen korrigieren.
Eine weitere Möglichkeit ist die Definition dieser Teile als "Greifvorrat". Dann werden sie (ähnlich dem retrograden Abbuchen) automatisch abgebucht. Bei Greifvorrat kannst Du aber nicht steuern, zu welchen Arbeitsgang die Teile gebucht werden sollen, sondern dies geschieht immer bei Start des Fertigungsauftrages. Außerdem stehen Teile mit Kennzeichnung "Greifvorrat" nicht auf den Fertigungspapieren, da hier davon ausgegangen wird, daß diese im Handlager der Abteilung liegen. In der Stückliste müssen diese Artikel aber auch stehen.
Hier kann übrigens wieder die Kanban-Methode zum Einsatz kommen. In Baan können solche Kanban-Karten (Behälterkarten, Ziehscheine, ...) gedruckt werden, die den innerbetrieblichen Materialfluß der Kleinteile steuern sollen, ohne großartige Materialbuchungen (Lageraufträge, Umbuchen etc.) erforderlich zu machen.
Wenn das alles zu viel und zu verwirrend war, mail mir mal das genaue Problem, bzw. ruf mich mal an, ich habe hierzu auch kleine Unterlagen erstellt, da es hier einige Einstellmöglichkeiten in Baan gibt, deren Finessen im Detail liegen.mail: fischer-dirk@t-online.de

tel: 0171/3120271
Gruß Dirk

Kai's Forum Users
6th August 2001, 01:00
Die Frage habe ich schon mal unter "C-Artikelmanagement" beantwortet.
Die Lösung kann über "fiktive" Bestände im Standard abgewickelt werden, was nicht ganz ungefährlich ist. Es folgen nun Erklärungen eines Logistikers, bei denen sich die Haare eines "Erbsenzählers" sträuben werden.
1. Fall: Der Lieferant füllt die Schraubenkisten in der Produktion selber auf und stellt am Monatsende eine Sammelrechnung
Es werden ein oder mehrere nicht disponible Läger als "fiktive" Konsi-Läger definiert. Für diese Läger wird die Integration so eingestellt, dass Vorratskorrekturen in Finance keine Auswirkungen haben. Dies geschieht durch eine "Luftbuchung", in der sich die sich die Buchungen ausgleichen. Danach können diese Läger mit bequem hohen Beständen bebucht werden. Für die Produktionsentnahme muss die Integration sinngemäß "Konsi-Bestand an Arbeit-in-Umlauf" heißen. Beim Erhalt der Sammelrechnung wird dann ein Kostenartikel bestellt, der wiederum beim Wareneingang das Sachkonto "Konsi-Bestand" bebucht. Von Zeit zu Zeit wird durch eine Sachkontenbuchung eine "finanzielle Inventur" durchgeführt. Diese Vorgehensweise hat zur Folge, dass der "fiktive" Lagerbestand immer rausgerechnet werden muss. (Lagerbestände, Bestandsbewertung etc.)
2. Fall: Die Schraubenkisten in der Produktion werden von einem Hauptlager über Pendelkarten aufgefüllt (Kanban).
Es werden ein oder mehrere nicht disponible Läger als "fiktive" Läger definiert. Für diese Läger wird die Integration so eingestellt, dass Vorratskorrekturen in Finance keine Auswirkungen haben. Dies geschieht durch eine "Luftbuchung", in der sich die sich die Buchungen ausgleichen. Danach können diese Läger mit bequem hohen Beständen bebucht werden. Für die Produktionsentnahme muss die Integration sinngemäß "Kanban-Bestand an Arbeit-in-Umlauf" heißen. Beim Umlagern der Schraubenkiste vom Hauptlager zum Produktionslager muss die Integration sinngemäß "Echter Bestand an Kanban-Bestand" heißen. Von Zeit zu Zeit wird durch eine Sachkontenbuchung eine "finanzielle Inventur" vom Konto "Kanban-Bestand" durchgeführt und von Zeit zu Zeit werden in der Logistik die Bestände korrigiert, da in der Stückliste immer noch die M5-Schraube steht und nicht die tatsächlich verbaute M6-Schraube. Diese Vorgehensweise hat zur Folge, dass der "fiktive" Lagerbestand immer rausgerechnet werden muss. (Lagerbestände, Bestandsbewertung etc.)
Ich habe selber bei einer Einführung mitgearbeitet, bei der diese Buchungen allerdings auf Projekte liefen. Der zweite Fall sah dann so aus, dass die Umbuchung von Hauptlager auf Produktionslager als Produktionsentnahme für ein Projekt abgebildet wurde. Die Vorgehensweise wird von einem Buchhalter nicht gerne gesehen, sie ist aber von den Wirtschaftsprüfern abgesegnet worden.
Vielleicht kann ja ein Finance-Experte erklären, wie die Integration aussehen muss.

Im Gegensatz zu einer eventuell angedachten Lösung, bei der mit einer Zusatzprogrammierung alle Artikel mit einer Kennung aus der Vorkalkulation gekickt würden, stimmen hierbei die Verbräuche und die Nachkalkulation.